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WAS FÜR EIN *%&#@ LAUF!

Das war dann wohl nix! So einen schlechten Lauf hatte ich schon lange nicht mehr. Ich hätte liegen bleiben sollen. Denn ich wusste schon um sieben Uhr morgens, dass der erste geplante Lauf nach meinen Ferien nur schlecht werden kann. Ich fühlte mich zwar erholt und freute mich eigentlich auch auf den Lauf, aber tief innen drin merkte ich schon, dass das nichts wird. Und meistens, wenn man so etwas merkt, bzw. wenn man es sich einredet, dann trifft es auch ein. Eine selbsterfüllende Prophezeiung so zu sagen...

Bei schönem Wetter starte ich kurz nach acht Uhr auf meine Heimrunde. Normalerweise mache ich die sieben oder wahlweise auch zehn Kilometer mit einem Schnitt von 4,40 Min/Km. Aber jetzt schaffte ich nicht einmal einen fünfer Schnitt. Ich bringe einfach keine Kraft auf den Boden, meine Oberschenkel fühlen sich schlaff an und meine Füsse vermögen nicht, sich kraftvoll vom Boden abzustossen. Auch meine Arme bringen nicht genügend Schwung zu Stande, um eine anständige Vorwärtsbewegung zu fördern. Ich würde ja verstehen, dass der Körper sich erst wieder ans Laufen gewöhnen muss, wenn ich 14 Tage lang nicht trainiert hätte. Aber selbst in den Ferien habe ich immer etwas gemacht. Mal besuchte ich ein Fitnesszenter, mal machte ich lockere Läufe, mal ging ich Schwimmen. Und sogar Ruhetage hatte ich eingelegt! Doch heute kann ich offenbar wirklich keine Leistung abrufen. Selbst der Puls will nicht steigen und pendelt sich bei langweiligen 130 bpm ein. So schleiche ich also der bekannten Laufstrecke entlang und ärgere mich still vor mich hin. Das heisst, so still bin ich gar nicht. Viel mehr schnaube und schnaufe ich wie eine ausrangierte, alte Lok. Zwischendurch kann man sogar ein richtiges Pfeifen vernehmen. Fehlt nur noch, dass Dampf aus meinen Ohren quillt, aber das wird wohl noch kommen.

Nach zwei Kilometer akzeptiere ich den fünfer Schnitt und trotte langsam dem linken Ufer des Thunersees entlang. Ich versuche, mich an der schönen Gegend zu erfreuen und mich vom mühsamen Laufen abzulenken. Da, plötzlich, überholt mich ein Läuferpaar. Die rennen an mir vorbei, als ob sie ihr hohes Tempo kein bisschen anstrengen würde. Und dabei schnaufen die nicht einmal, sondern diskutieren laut und fröhlich mit einander. Ausserdem besitzen sie auch noch die Frechheit, mich zu grüssen und mir quasi zu zeigen, dass sie mich gesehen haben. Mich, das Hindernis auf der Laufstrecke. Pah! Sonst grüssen die Läufer hier selten bis nie, was mich schon lange aufregt. Aber jetzt, jetzt grüssen sie und zwar laut. "Grüsst doch das nächste Mal auch dann, wenn ICH an EUCH vorbeizische!" möchte ich den beiden nachbrüllen, aber ich kann nicht, ich muss mich zu sehr auf meine Beinarbeit und meine Atmung konzentrieren. Ausserdem muss ich mich auch noch auf etwas anderes konzentrieren, denn seit Kilometer vier plagt mich zusätzlich dieses Gefühl. Dieses Gefühl, das man als Läufer so hasst. Das Gefühl, nächstens eine Toilette aufsuchen zu müssen.

Aber heute hat der Darm die Rechnung ohne mich gemacht. Ich kann jetzt nicht auf die Toilette, ich renne jetzt. Und aus Trotz werde ich die längere Runde wählen, die vollen 10 Kilometer. Wir werden ja sehen, wer es länger aushält, der Darm oder ich. Mit leicht krampfendem Magen renne ich also weiter. Doch schon zwing mich mein Darm zu einem (noch!) langsameren Schritt, zwischendurch muss ich sogar gehen. Aber so leicht gebe ich nicht auf. Ich versuche wieder schneller zu laufen. Ich werde meinen rebellierenden Darm schon besiegen.

Der sechste Kilometer dauert ganze 5,52 Minuten. Die Krämpfe kommen jetzt immer häufiger und zwingen mich immer langsamer zu laufen. Zwei ältere Stockenten (Nordic Walking Ladies), die mich kreuzen, schauen mich mit einem mitleidvollen Blick an und sind wohl nahe daran, mir ihre Stöcke zu leihen, um meinen gequälten Lauf zu unterstützen. Den siebten Kilometer laufe ich, als ob ich mit gebrochenen Hüftknochen unterwegs wäre. Ich schnaufe laut, fluche noch lauter, rudere mit den Armen und neben dem Darm scheint auch der hochrote Kopf kurz vor einer Explosion zu stehen. Dann, endlich, bin ich in meiner Strasse und damit am Ziel. Ich habe nur sieben Kilometer geschafft. Die grosse Runde war nicht möglich. Der Darm hat gesiegt. Ich muss jetzt wirklich dringend auf die Toilette. Was für ein *%&@#ç Lauf.

An solchen Tagen, nach solchen Läufen, habe ich das Gefühl, dass ich es nie schaffen werde, richtig schnell zu laufen. Dann denke ich, dass mich all die Lauftrainings, Intervalltrainings oder Trailläufe nicht weiterbringen. Aber natürlich renne ich schon lange genug, um zu wissen, dass es solche Tage einfach gibt, an denen es beim Laufen nicht läuft. Und damit das Gefühl, es nie zu schaffen, richtig schnell zu sein, nicht auch noch zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird, trainiere ich hart weiter, bekämpfe den inneren Schweinehund und wenn es sein muss auch meinen Darm und freue mich an kleinen Fortschritten und guten, schnellen Läufen.

ALSTERLAUF? JEDERZEIT WIEDER!

Meine Heimstrecke liegt in Thun im Kanton Bern. Sie ist wunderschön und führt mich vom Thunersee bis zum Fluss Kander und über die Strättligburg durch den Wald zurück nach Hause. Und obwohl ich die Strecke sehr liebe, laufe ich so viel wie möglich auswärts. Am liebsten an Orten ausserhalb der Schweiz. Darum packe ich immer mein Laufzeug ein, wenn es in die Ferien oder auf Geschäftsreise geht. Nichts entspannt mich mehr, als vor dem Frühstück und dem anschliessenden Tag am Meer mit den Kindern oder nach einer langen Sitzung in einem stickigen Raum zu rennen. Neben der Entspannung hat das Laufen, gerade an fremden Orten, aber noch einen weiteren Vorteil: Ich kann innerhalb kurzer Zeit viel vom aktuellen Aufenthaltsort sehen. So lerne ich eine unbekannte Stadt beim Laufen schneller und besser kennen, als wenn ich mit einem Touristenbus der Strasse entlang gondle oder sogar maulwurfmässig mit der U-Bahn unterwegs bin. Beim Laufen sehe ich den fremden Platz nicht nur, sondern ich höre und rieche ihn auch. Das ist meine liebste Art einen neuen Ort kennen zu lernen. Das Rennen in Feriendestinationen hat nebenbei den Effekt, dass man sein Laufvermögen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen testen kann. Man glaubt ja gar nicht, wie gross die Unterschiede schon bei kleinen Differenzen der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit sein können. Ich habe für mich festgestellt, dass ich besser bei bewölktem Himmel und 25° Celsius unterwegs bin, als bei strahlendem Sonnenschein und 30° Celsius oder mehr. Am leichtesten laufe ich aber eh bei leichtem Nieselregen und kühlen Temperaturen.

In diesem Jahr rannte ich in meinen Ferien in Side (Türkei) einige Kilometer. Davor war ich in Luxembourg und in Sölden (Österreich) unterwegs. Das letzte Mal lief ich Ende Juni auswärts und davon handelt dieser Blogeintrag: Ich war zusammen mit drei Kollegen für ein verlängertes Wochenende nach Hamburg gereist. Am Sonntagmorgen zwang ich dann meinen müden Körper nach zwei feuchtfröhlichen Nächten und dem Schlager Move aus dem Bett. Ich genehmigte mir ein kurzes, leichtes Frühstück mit den Jungs, zog mich um und rannte los. Ziel war eine Runde um die Aussenalster. Eine Strecke, von der ich bereits öfters gehört und über die ich im Runner's World auch schon einen Laufbericht gelesen hatte. Nun wollte ich wissen, ob all das Lob gerechtfertigt war und die Route tatsächlich so schön ist.

Mit einem leichten Rollen im Magen lief ich kurz vor Mittag vom Hotel zum Hamburger Bahnhof und weiter der Spitalstrasse entlang. Dann ging's zur Europa Passage – einer grossen Shopping Mall – und schliesslich runter zum Ballindamm, welcher der Binnenalster entlang führt. Kaum war ich am Ufer der Alster angelangt, rannten auch schon die ersten zwei Läufer an mir vorbei Richtung Lombardsbrücke. Sie sahen frisch aus und aufgrund Ihrer Laufrichtung schätzte ich, dass sie zur Aussenalster wollten. Kurz entschlossen hängte ich mich an ihre Fersen und tatsächlich führten sie mich innerst Minuten über die Lompardsbrücke zum gewünschten Ort. Da lag sie nun vor mir, die Aussenalster, und ich freute mich auf die bevorstehende Tour.

Mein erster Alsterlauf war herrlich! Nachdem mein Körper langsam warm gelaufen war, waren auch die Strapazen der vergangenen Tage und Nächte vergessen. Ich folgte zufrieden und locker dem Ufer der Alster und staunte, dass so viele Läufer (und Jogger) unterwegs waren. Es vergingen keine 100 Meter, ohne dass ich andere Läufer kreuzte, von Spaziergängern ganz zu schweigen. Zum Grüssen blieb bald keine Luft mehr und so liess ich es bleiben, zumal sowieso nur die wenigsten zurückgrüssten. Der grösste Teil der Strecke führte auf von Bäumen, Sträuchern und Wiesen gesäumten Kieswegen unmittelbar dem Ufer der Alster entlang. Nur an einer Stelle musste ich kurz durch ein Wohnquartier laufen, bevor ich wieder zum Wasser zurückkam. Die Gegend war herrlich: Links von mir lag die Alster bzw. der Alstersee, besiedelt von unzähligen Segelbooten, deren weisse Segel im Sonnenlicht leuchteten, rechts von mir standen zuerst Hotels und Einkaufsläden, dann wurden sie von einer Zeile teuerster Immobilien abgelöst. Unheimlich, was da an herausgeputzten, weissen Villen und protzigen Luxuskarossen zu sehen war. Schliesslich führte die Strecke auch beim abgesperrten Gebiet der US-Botschaft vorbei, bevor ich wieder bei der Lombardsbrücke ankam. Zum Schluss hängte ich noch eine Minirunde um die Binnenalster mit der Alsterfontäne darin an. Die Fontäne, welche das Wasser des Alstersees etwa 50 Meter in den Himmel schiesst, erinnerte mich stark an den Springbrunnen Jet d'Eau in Genf. Nur dass dieser das Wasser des Lac Léman schätzungsweise drei Mal so hoch in die Luft katapultiert... Ich überquerte den Jungfernstieg und den Ballindamm, rannte zurück durch die Spitalstrasse und den Hamburger Bahnhof und kam nach genau 13 Kilometer mit dem guten Gefühl, einen weiteren Ort auf meine Art kennen gelernt zu haben, beim Hotel an.

Einen Unterschied gab es am Ende des Laufs allerdings: Während ich bei allen anderen Läufen im Ausland immer das Gefühlt hatte, dieselbe Strecke nicht noch einmal laufen zu wollen, ist das bei der Aussenalster ganz anders – ich würde es jederzeit wieder tun!

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Thomas Jauch, 3604 Thun

 

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